Online Dossier Migrationsrat e.V.

Der Migrationsrat e.V. ist unser Partner für das Aktionsfeld "Migration und Teilhabe". Über das Jahr haben die dort Engagierten ein Dossier zu verschiedenen Themen erstellt. Zum Engagement im Aktionsfeld schrieb Koray Yılmaz-Günay, Co-Geschäftsführer des Migrationsrates Berlin:

"Engagierte Migrant_innen und ihre Organisationen sind oft die Anhängsel der Zivilgesellschaft. Sie sollen andere Organisationen, Projekte und oft auch die Verwaltung unterstützen, ihre Aufgaben wahrzunehmen, indem sie ehrenamtlich beraten, Angebote bewerben oder sich eben „ganz klassisch“ in Begleitung, Sprachmittlung oder Gruppenangebote einbringen. Berlin als Europäische Freiwilligenhauptstadt 2021 hat uns die Gelegenheit gegeben, die letzten 30 Jahre aus einer anderen Perspektive anzuschauen – die Leistungen der vielen Hunderttausend Migrant_innen in Berlin zu würdigen, Geschichten nachzuzeichnen, Erfahrungen auszuwerten und im Austausch verschiedener Generationen für eine inklusivere Zukunft zu lernen. Neben der Professionalisierung der eigenen Arbeit ging es in den Veranstaltungen vor allem darum, eine Positionsklärung vorzunehmen, für die im Alltag kaum Zeit und Raum existiert. Allein dieser Austausch war es wert, im Aktionsfeld aktiv zu sein. Neben Fragen verschiedener Migrationsgeschichten – und damit auch mitgebrachten „Ehrenamts-Traditionen“ wurden geschlechtsspezifische Besonderheiten besprochen. Es ist nicht alles „freiwillig“, was unbezahlt erledigt wird. Es gibt gleichzeitig aber auch eigene, innere Motivationen für sinnstiftendes gesellschaftliches Engagement, unabhängig davon, ob es bezahlt wird. Diese Antriebe, die Bedingungen, Grenzen und Erfolge „unseres“ Engagements sind uns in diesem Jahr auf eine Art und in einem Umfang deutlich geworden, die geradezu nach Fortsetzung verlangt, weit über das Jahr der Freiwilligenhauptstadt hinaus!"

Ehrenamt stärkt weiß-deutsche Institutionen

- Ein Artikel von Tanja Gangarova -

Ich arbeite seit vielen Jahren im Kontext der Gesundheitsförderung und -versorgung und habe mit Ehrenamt auf zwei Ebenen zu tun. Zum einen auf der Ebene der sogenannten «Zielgruppen» – meist strukturell benachteiligte und/oder rassifizierte Communitys, die von deutschen Nichtregierungs- (NGOs) und Regierungsorganisationen (GOs) ehrenamtlich in die Arbeit einbezogen werden. Zum anderen auf der Ebene der Parallelstrukturen der medizinischen Versorgung – wie zum Beispiel MediNetze – wo ehrenamtliche Leistungen von Ärzt_innen erbracht werden. Die MediNetze sind entstanden, um die medizinische Versorgung von Menschen aufzufangen, deren Recht auf Gesundheit in Deutschland verweigert wird. Sie vermitteln anonym und kostenlos medizinische Hilfe für Migrant_innen ohne geregelten Aufenthaltsstatus.

Mit diesen Formen des Ehrenamts konnte ich mich nie richtig anfreunden – auch wenn ich die Arbeit, die diese Menschen in ihrer Freizeit, an Wochenenden oder Urlaubstagen oder jeden Tag neben ihrer regulären Lohnarbeit freiwillig leisten, großartig finde. Wieso?

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Eishockey gilt als weißer Sport. Ehrenamt bei Hockey is Diversity e.V.

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- Ein Artikel von Peter Goldbach -

Anfänglich noch eine Initiative, wurde der Verein Hockey is Diversity von Dr. Martin Hyun und mir im Jahr 2010 gegründet. Als ehemaliger Eishockeyspieler mit südkoreanischen Wurzeln, einer Sportart, die nicht mit asiatisch gelesenen Menschen verbunden wird, hat Martin Hyun auf allen Ebenen Rassismus erdulden müssen. Auch ich habe eine Eishockey-Vergangenheit und habe Diskriminierung und Mobbing in verschiedenen Teams erlebt. Die Erfahrung, die wir in unserem Sport gemacht haben, brachte uns zusammen. Wir wollten auf die Thematik Rassismus und Diskriminierung im Eishockey aufmerksam machen und aktiv dagegen vorgehen. Immer wieder kommt es zu rassistischen und diskriminierenden Vorfällen im Eishockey – ob auf dem Eis oder den Tribünen. Fakt ist: Überall, wo Spieler*innen of Color spielen, kommt es zu rassistischen Vorfällen. Unser Ziel ist es, mit unseren Projekten zu einer inklusiven Kultur im Eishockey beizutragen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder Beeinträchtigung. Eishockey ist nicht immun gegen Rassismus und Diskriminierung. Eishockey gilt als weißer Sport.

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Wir wollten helfen – und wurden zur «Konkurrenz»

- Ein Artikel von Larissa Neu -

Die Gedanken sind bekanntlich frei und die Gedanken und Erinnerungen, die mich seit 22 Jahren zu meinem Ehrenamt begleiten, sind es auch. Gute und schlechte.

Was in Deutschland als Ehrenamt bezeichnet wird, ist in vielen Ländern einfach «Hilfsbereitschaft», eine Selbstverständlichkeit. Man hilft dort, wo es geht, wenn man gebraucht wird. Man erwartet nicht Dankbarkeit oder Anerkennung. Du wirst gebraucht – und dann geht es los. In einem solchen Land bin ich aufgewachsen und habe es gelernt und schätzen gelernt, Menschen zu helfen. In Berlin lernte ich dann, dass Ehrenamt auch andere Eigenschaften haben kann. Dass es nicht selbstverständlich sein muss. Dass es Werbung dafür braucht, dass Preise dafür vergeben werden…

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Luxus mit Herzblut

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- Ein Artikel von Melike Yıldız -

Seit über 17 Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich in verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen (NGO) und staatlichen Projekten und Organisationen (GO). Ich habe dabei sehr unterschiedliche Erfahrungen gesammelt, aber auch sehr gemischte Gefühle gehabt.

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Engagement und Aktivismus – und die Frage nach dem Warum

- Ein Artikel von Natalia Amina Loinaz -

Berlin ist Freiwilligenhauptstadt 2021. Meine Stadt, in der ich seit 1990 lebe und mich engagiere –immer wieder anders und auf verschiedenen Ebenen. In diesem Jahr, 2021, habe ich die Berliner Ehrung des Freiwilligenpasses erhalten, nach meinem 15–jährigen Engagement in meiner muslimischen Gemeinde. Zu den Gründen für mein Engagement und meinen Aktivismus habe ich mir einige Gedanken gemacht und ein paar Thesen aufgestellt, warum ich mich und viele andere sich engagieren.

Dieser kleine Einblick in meine persönliche Motivation für mein Engagement und meinen Aktivismus soll Rückschlüsse auf allgemeingültige Motivationen ermöglichen. Die Motivationen von engagierten Menschen sind aber natürlich sehr individuell und komplex.

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