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Starkes Freiwilliges Engagement heisst starke Zivilgesellschaft in Berlin!

In einem Positionspapier fordern zivilgesellschaftliche Organisationen, Initiativen und Verbände, darunter auch der Paritätische Wohlfahrtsverband LV Berlin e.V. und die Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V., das freiwillige Engagement nachhaltig zu stärken. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses Positionspapiers haben sich zum Ziel gesetzt, sich für verbesserte Rahmenbedingungen für das freiwillige Engagement einzusetzen. Die folgenden Positionen wurden im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung des Fachkreises Freiwilligenmanagement im Landesnetzwerk Bürgerengagement Berlin und des Arbeitskreises Freiwilliges Engagement des Paritätischen Wohlfahrtsverbands LV Berlin e.V. mit über 50 zivilgesellschaftlichen Organisationen, Vereinen und Initiativen entwickelt. Das Positionspapier wurde von 130 Akteurinnen und Akteuren unterzeichnet.

© Dean Moriarty (Pixabay)

WAS BEWIRKT FREIWILLIGES ENGAGEMENT?

Freiwillig Engagierte prägen mit ihrem Einsatz das Miteinander in ihren Nachbarschaften und in ihrem vielfältigen gesellschaftlichen Umfeld und machen so Berlin zu einer lebenswerteren Stadt, in der Diversität und Inklusion angestrebt und gelebt werden. Damit fördern sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt, denn eine starke Zivilgesellschaft ist geprägt von einem solidarischen Miteinander und wirkt gesellschaftlicher Spaltung entgegen.

WAS BRAUCHT FREIWILLIGES ENGAGEMENT IN BERLIN?

Auch wenn schon Maßnahmen zur Förderung des freiwilligen Engagements ergriffen wurden und eine Berliner Engagement-Strategie unter Beteiligung der Zivilgesellschaft erarbeitet wurde: freiwilliges Engagement braucht mehr Unterstützung. Gerade durch die CoronaPandemie sind die gesellschaftlichen Herausforderungen noch sichtbarer geworden. Gleichzeitig wurde deutlich, wie systemrelevant der Einsatz von freiwillig Engagierten ist. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie werden sich auch auf die Bürger*innen der Stadt auswirken. Die Zivilgesellschaft braucht jetzt dringender denn je konkrete Unterstützung für ihre Arbeit und die dafür nötigen Förderstrukturen, wie sie bereits von vielen Seiten eingefordert werden. Wir fordern Politik und Verwaltung daher auf, gemeinsam mit den Bürger*innen, den zivilgesellschaftlichen Organisationen, den Initiativen und Verbänden das freiwillige Engagement nachhaltig zu stärken. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der gesamtstädtischen Netzwerkarbeit, der Anerkennung des Engagements und den Rahmenbedingungen für hauptamtliches Freiwilligenmanagement und Freiwilligenkoordination.

WER SIND DIE AUTOR*INNEN UND UNTERZEICHNER*INNEN?

Die Unterzeichner*innen dieses Positionspapiers haben sich gemeinsam mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband LV Berlin e.V. und der Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V. zum Ziel gesetzt, sich für verbesserte Rahmenbedingungen für das freiwillige Engagement einzusetzen. Die folgenden Positionen haben wir im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung des Fachkreises Freiwilligenmanagement im Landesnetzwerk Bürgerengagement Berlin und des Arbeitskreises Freiwilliges Engagement des Paritätischen Wohlfahrtsverbands LV Berlin e.V. mit über 50 zivilgesellschaftlichen Organisationen, Vereinen und Initiativen entwickelt. Das Positionspapier wurde von 130 Akteur*innen unterzeichnet. Als organisations- und verbandsübergreifender Zusammenschluss verschaffen wir den Anliegen für das Engagement in Berlin Gehör!

POSITION: Rahmenbedingungen für Engagement und die Vernetzung stärken!

Das freiwillige Engagement in Berlin ist durch eine hohe Vielfalt geprägt. Das macht sich in Größe, Form und inhaltlicher Ausrichtung der gemeinnützigen Organisationen bemerkbar, die mit freiwillig Engagierten zusammenarbeiten oder durch Ehrenamtliche geführt werden: von ehrenamtlichen Initiativen im Kiez bis hin zu Verbänden mit mehreren Tausend Freiwilligen. Diese Organisationen, Vereine und Initiativen zeichnen sich durch ein hohes Maß an lokaler Vernetzung, Innovationskraft und gemeinsamem Gestaltungswillen aus – unabhängig von der Organisations- oder Verbandszugehörigkeit sowie davon, ob sie in Berlin oder auch darüber hinaus tätig sind. Seit 2005 arbeiten über 80 Organisationen im Sinne der Gestaltung gemeinsamer Aktionsräume im Landesnetzwerk Bürgerengagement Berlin zusammen. Sie haben seither maßgeblich zur Thematisierung von Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement beigetragen, sich fachlich weiter vernetzt, wie beispielsweise mit dem Arbeitskreis Freiwilliges Engagement, und erwarten nun Umsetzungsschritte von der Politik.

EMPFEHLUNGEN:

  • Aktiv mit den genannten Akteur*innen sowie dem Kreis der Unterzeichnenden in den Dialog treten;
  • Die Umsetzung und Verfeinerung der Berliner Engagement-Strategie vorantreiben und dafür zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung stellen – insbesondere bei den Themen Digitalisierung, der Raumsituation für zivilgesellschaftliche Organisationen, der Aufwandsentschädigung und Versicherungsfinanzierung für freiwillig Engagierte, demokratieförderlichen Mitspracherechten für die partnerschaftliche Beteiligung von Freiwilligen und der Kooperation von Unternehmen mit der Zivilgesellschaft;
  • Förderung des Landesnetzwerk Bürgerengagement Berlin als Netzwerk für freiwilliges Engagement und damit als nachhaltige Wissens- und Kompetenzplattform für die Berliner Zivilgesellschaft;
  • Das freiwillige Engagement und die staatlichen Förderstrukturen entbürokratisieren, Vereinfachung des Zuwendungsrechts, Beantragungs- und Zuwendungsprozesse beschleunigen, Kürzungen im zivilgesellschaftlichen Bereich entgegenwirken und Förderungen langfristiger gewähren (z.B. gebunden an den Doppelhaushalt);
  • Anerkennung und finanzielle Entlastung von Engagierten durch Erstattung von Fahrtkosten ermöglichen, etwa in Verbindung mit der Ehrenamtskarte.

POSITION: Freiwilligenmanagement und Freiwilligenkoordination als Berufsbild anerkennen

Freiwilligenmanagement und Freiwilligenkoordination sind in vielen Organisationen, die mit freiwillig Engagierten zusammenarbeiten, wichtige Tätigkeitsfelder. Das Freiwilligenmanagement widmet sich den strategischen Aspekten und der Organisationsentwicklung sowie der Sicherstellung Engagementfreundlicher Rahmenbedingungen. Freiwilligenkoordination ist direkt mit den Engagierten in den Einrichtungen vor Ort befasst und schafft Verlässlichkeit und Ansprechbarkeit für Freiwillige, übt eine Schutzfunktion für Engagierte aus, fungiert gleichzeitig als Schnittstelle zu anderen Hauptamtlichen und ermöglicht Partizipation und Mitwirkung von Engagierten in der Organisation. Wir treten dafür ein, die Wichtigkeit und auch die Unterschiede dieser beiden Tätigkeiten – ob personell getrennt oder vereint je nach Größe der Organisation – weiter als Berufsbilder zu verankern.

EMPFEHLUNGEN:

  • Die Bedeutung des Freiwilligenmanagements und der Freiwilligenkoordination noch stärker anerkennen und im Selbstverständnis der Engagementförderung auf allen Arbeitsebenen verankern;
  • Gute Rahmenbedingungen für diese Berufsfelder schaffen und nachhaltig sichern, wie z.B. Vergütung, Qualifizierung, Supervision;
  • Bestehende Aufgabenbeschreibungen des Freiwilligenmanagements und der Freiwilligenkoordination nutzen, die beispielsweise durch den Fachkreis Freiwilligenmanagement im Landesnetzwerk Bürgerengagement Berlin und den Paritätischen Wohlfahrtsverband erarbeitet wurden.

POSITION: Förderlichen Rahmen für Freiwilligenmanagement und Freiwilligenkoordination schaffen

Mit der Finanzierung von hauptamtlicher Freiwilligenkoordination in den Not- und Gemeinschaftsunterkünften für geflüchtete Menschen hat der Senat 2016 erstmals einen Schritt zur Förderung von Freiwilligenkoordination gemacht. Das Beratungsforum Engagement für Geflüchtete, ein Projekt der Landesfreiwilligenagentur Berlin, begleitet, berät und qualifiziert diese Freiwilligenkoordinator*innen bereits seit fünf Jahren trotz aller Fluktuation und Veränderlichkeit im Feld erfolgreich. Dieses Projekt hat daher Pilotfunktion, auch für andere Bereiche des Freiwilligenmanagements. Eine finanzielle Förderung schafft notwendige Ressourcen für die Zusammenarbeit mit Freiwilligen und ermöglicht Empowerment und neue Teilhabechancen für Menschen, die bisher wenig Zugang zum freiwilligen Engagement haben, wie Menschen mit Behinderung, Menschen mit geringem Einkommen oder Menschen mit Fluchterfahrung. Das stärkt ein inklusives Miteinander und fördert Diversität

EMPFEHLUNGEN:

  • Modellprojekte mit hauptamtlicher Freiwilligenkoordination mit anteiliger Finanzierung des Freiwilligenmanagements und wissenschaftlicher Begleitung im Bereich der Wohnungslosenhilfe fördern: d.h. das von der LIGA konzipierte Modellvorhaben in den Haushalt 2022/2023 einplanen;
  • Bereichsübergreifend die hauptamtliche Freiwilligenkoordination und anteilig das Freiwilligenmanagement finanziell fördern und dadurch unter Berücksichtigung besonderer Bedarfe und Ressourcen zum Abbau von Barrieren und zur Ermöglichung von Diversität sowie dem Erreichen und Einbeziehen von Menschen beitragen, die sich derzeit noch nicht engagieren;
  • In Förderrichtlinien eine angemessene tarifliche Eingruppierung der Freiwilligenkoordination und des Freiwilligenmanagements festlegen, die Finanzierung sichern und so die Bedeutung von Freiwilligenmanagement und -koordination wertschätzen und anerkennen;
  • Ausreichend Sachmittel für das freiwillige Engagement in Organisationen zur Verfügung stellen, ohne die die Tätigkeiten des Freiwilligenmanagements und der -koordination nicht möglich sind (z.B. technische Ausstattung, Digitalisierung, Anerkennungskultur, Fortbildungskosten, Projektsachkosten).

 

Positionspapier und Liste der 130 Unterzeichner*Innen

Autor*innen und Kontakt: Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e.V., Geschäftsstelle Bezirke

Anne Jeglinski, Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke, Innovation und Wirkung

Niklas Alt, Bezirksbeauftragter, Arbeitsschwerpunkt Freiwilliges Engagement

Sekretariat: Simone Hanjohr

Telefon: 030 – 86001 600

Email: hanjohr@paritaet-berlin.de

Autorinnen und Kontakt: Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V.

Carola Schaaf-Derichs, Geschäftsführerin Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V.

Susanne Eckhardt, Bereich Netzwerkentwicklung und Freiwilligenmanagement in der Landesfreiwilligenagentur Berlin

Kontakt: Katrin Ottensmann

Telefon 030 – 847 108 791 / 795/ 794

Email: ottensmann@freiwillig.info