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Herausforderungen meistern und wahre Leidenschaft finden

Camille aus Frankreich, Paris, hat sich zu einem mutigen Schritt entschlossen. Sie gab ihren Vollzeitjob in Frankreich auf, packte ihre Koffer und zog nach Berlin, um sich für ein Jahr einem Freiwilligendienst zu widmen. Seit November 2020 arbeitet sie in der Bundesgeschäftsstelle der Naturfreundejugend und erwirbt dabei wertvolles Wissen, das ihr in ihrer zukünftigen Karriere zugutekommen wird.

© Camille

Das Interview führte Sofio Rukhadze durch, Mitarbeiterin des Projektbüros der Europäischen Freiwilligenhauptstadt und selbst engagierte Freiwillige in Berlin, die aus Geogien kommt.

Camille, ist es das erste Mal, dass du dich freiwillig engagierst, oder hast du das auch schon in deinem Heimatland getan?  

Das ist das erste Mal, dass ich mich in hautberuflich freiwillig engagiere, das heißt, es ist meine Vollzeitbeschäftigung und nicht nur eine Nebenbeschäftigung.  In Frankreich habe ich mich auch engagiert, aber es war kein langfristiges Engagement, sondern kleine Projekte oder einfach nur tägliche Aufräumarbeiten. Meine gesamte Zeit und Aufmerksamkeit der Freiwilligenarbeit zu widmen, ist also etwas Neues für mich. 

Warum hast du dich in diesem Jahr für ein freiwilliges Engagement entschieden, anstatt dich in anderen Projekten zu engagieren oder einen Vollzeitjob anzunehmen?  

Nachdem ich vor einigen Jahren mein Studium des Seerechts abgeschlossen hatte, hatte ich die Möglichkeit, an verschiedenen Projekten zu arbeiten und Teil verschiedener Unternehmen zu sein. Dabei handelte es sich um Praktika oder kurzfristige Jobs, und um ehrlich zu sein, hatte ich nie das Gefühl, dass sie das Richtige für mich waren. Ich war mir nicht sicher, ob dies etwas war, was ich in meiner Zukunft machen wollte.  Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, eine Vollzeitstelle zu finden, die mit meinem Studienfach zu tun hatte. Schließlich begann ich als Beraterin in einer großen Firma zu arbeiten. Ich mochte den Job und konnte mir vorstellen, dort langfristig zu arbeiten. Doch dann brach COVID-19 aus, und ich bekam keine Aufträge mehr. Während des ersten Lockdowns hatte ich viel Zeit, meinen Weg und meine Zukunft zu überdenken und meine Interessen neu zu erkunden. In dieser Zeit stieß ich auf die Anzeige über den Freiwilligendienst, und ich wurde neugierig.  Zuvor hatte ich noch nie vom Europäischen Solidaritätskorps gehört und auch nicht von der Tatsache, dass es möglich war, ein ganzes Jahr lang Freiwilligenarbeit zu leisten. Zuerst war ich unsicher, ob es richtig war, einen Vollzeitjob, ein gutes Gehalt und alle Annehmlichkeiten, die damit verbunden sind, aufzugeben. Aber ich verstand, dass es etwas war, das mich glücklich machen würde.  Ich würde an einem Projekt arbeiten, das mit Klimafragen zu tun hat, was für mich ein sehr wichtiges Thema ist. Und ehe ich mich versah, packte ich meine Koffer und bereitete mich auf meinen Umzug nach Berlin vor.  

Was sind deine Aufgaben, und hängen diese mit deinen Interessen oder gar zukünftigen Berufszielen zusammen?  

Wie schon gesagt, arbeite ich als Projektassistentin an einem internationalen Projekt mit und leite verschiedene Teilbereiche davon. Ich lerne täglich viele neue Informationen über die Klimakrise und verwandte Themen, was für mich sehr wichtig ist, da ich mir vorstellen kann, in der Zukunft an einem ähnlichen Projekt zu arbeiten. Die Arbeit als Freiwillige bei dieser Organisation ist also sowohl für die Organisation als auch für mich von Vorteil. Ich entwickle mich weiter und eigne mir fundiertes Wissen an. Natürlich sind viele Aufgaben, die ich täglich erledige, neu für mich. Aber die Fähigkeiten, die ich während meiner bisherigen Erfahrungen erworben habe, werden immer hilfreicher, da sie mit Organisation, Zeitmanagement und Networking zu tun haben.   

Wie würdest Du deine bisherigen Erfahrungen in der Organisation beschreiben?  

Seit November habe ich eine sehr positive Erfahrung mit der Organisation gemacht. Ich genieße die Art und Weise, wie mein Team es schafft, effizient zu kommunizieren, auch wenn wir alle vom Büro aus arbeiten. Ich bekomme immer Unterstützung finden, wenn ich danach frage und habe immer ansprechende Aufgaben, die ich selbstständig erledigen kann.  Am Anfang war es eine Herausforderung, auf Deutsch zu arbeiten, da ich das vorher noch nie gemacht habe. Ich war anfangs sehr gestresst und habe mir Sorgen gemacht, ob ich alles richtig verstanden oder kommuniziert habe. Nach ein paar Wochen wurde ich jedoch selbstbewusster, und jetzt fühle ich mich mit der Sprache sehr wohl und kann mir vorstellen, in Zukunft in diesem Unternehmen zu arbeiten, und wer weiß, vielleicht werde ich am Ende hier oder in einem ähnlichen Unternehmen arbeiten.

Was bedeutet diese Erfahrung für dich und deine Zukunft?  

Wie ich bereits erwähnt habe, ist der Klimawandel ein wichtiges Thema für mich, und ich möchte meinen zukünftigen Beruf mit einem Projekt verbinden, das versucht, dieses Problem zu lösen und das Bewusstsein dafür zu schärfen.  Ich denke, dass sich durch diese Erfahrung viele Türen für mich in der Zukunft öffnen können. Ich erhalte theoretisches Wissen und praktische Erfahrung, daher denke ich, dass dies ein guter Grundstein für meine zukünftige Karriere sein kann. Ich bekomme einen Einblick, wie diese Art von Organisationen arbeiten, wie sie Projekte managen und sich mit anderen vernetzen. Ohne einschlägige Erfahrung wäre es schwieriger, einen Job zu finden, daher bin ich froh, dass mein Freiwilligendienst damit verbunden ist und mir hilft, meine zukünftigen Ziele zu verfolgen.  

Was war für dich die größte Herausforderung während deines Freiwilligendienstes?  

Bedingt durch COVID –19, besteht für mich die Herausforderung darin, neue Leute am Arbeitsplatz oder außerhalb des Arbeitsplatzes zu treffen. Man kann keine persönlichen Veranstaltungen besuchen oder in Cafés sitzen.  Es ist schwer, in einer Stadt zu sein, in der man niemanden kennt, daher war es eine große Herausforderung. Ich denke, COVID hat mich eher auf einer persönlichen als auf einer beruflichen Ebene beeinflusst. Ich genieße das Homeoffice, und ich kann ein- oder zweimal pro Woche ins Büro gehen, wenn ich das möchte. COVID hat sich auch ein wenig auf meine Arbeit ausgewirkt, ich sollte eigentlich auf verschiedene Dienstreisen gehen, aber da die Grenzen dicht sind, ist das wohl vom Tisch. Es ist natürlich traurig, aber ich genieße trotzdem meine Zeit hier und sehe in jeder Situation die positive Seite. 

Warum, glaubst du, wird freiwilliges Engagement bei den Menschen immer beliebter?  

Das ist ein bisschen schwierig zu sagen, aber ich habe das Gefühl, dass immer mehr Menschen es gerne tun. Ich denke, sie wollen Gutes tun und einen positiven Einfluss ausüben. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass es heute mehr Möglichkeiten für freiwilliges Engagement gibt als je zuvor, und es ist dank der Medien einfacher geworden, das passende Engagement zu finden. Und ich denke, die Menschen mögen es, sich selbst besser kennenzulernen, während sie an etwas arbeiten, an das sie glauben, und ihre Fähigkeiten zu entwickeln.  

Was ist ein Ratschlag, den du Menschen geben möchtest, die sich gerade auf ihr Freiwilligenjahr vorbereiten?  

Bei mir ging alles sehr schnell. Als ich ein Angebot bekam, war ich schon nach wenigen Wochen in Berlin, so dass ich nicht viel Zeit zur Vorbereitung hatte. Aber ich möchte sagen, dass man immer eine positive Seite in jeder Situation sehen sollte. Ein Freiwilligendienst kann herausfordernd sein, aber lass’ dich von diesen Herausforderungen nicht unterkriegen, im Gegenteil, versuch’, den Freiwilligendienst zu deinen Gunsten zu nutzen. Für mich ist es zum Beispiel eine Herausforderung, neue Leute kennenzulernen, aber gleichzeitig habe ich viel freie Zeit, weil ich keine neuen Leute kennenlernen kann. Diese freie Zeit nutze ich, um mich weiterzuentwickeln und mich mit verschiedenen Hobbys zu beschäftigen. 

Möchtest Du noch etwas hinzufügen? 

Ich möchte den Leuten, die darüber nachdenken, diese Chance zu ergreifen, sagen, dass sie nicht zu lange zögern sollten. Diese Art von Erfahrung kann einen sehr positiven Einfluss auf dein Leben haben, auf eine Art und Weise, die du dir vielleicht nicht einmal vorstellen kannst. Außerdem ist dies eine große Chance, dich selbst weiterzuentwickeln und vielleicht sogar deine wahre Leidenschaft zu finden: Hör auf dich selbst und nutz’ alle Chancen, die sich dir bieten. 

Naturfreundejugend Deutschlands (NFJD)

Die Naturfreundejugend Deutschlands (NFJD) ist der eigenständige Kinder- und Jugendverband der NaturFreunde Deutschlands e. V. und international bei International Young Naturefriends (IYNF), organisiert. Die Naturfreundejugend engagiert sich in den Bereichen und zu den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit, Demokratie und Mitbestimmung sowie nachhaltiges Reisen, internationale Jugendbegegnungen und Sport. Zudem setzt sich NFJD für Gleichberechtigung, gegen Rechtsextremismus und für Umweltschutz ein.

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