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Digital am Ball

Digital und Fußball geht nur an der Konsole? Stimmt so nicht! Während des Corona-Lockdowns experimentierte der Fußballverein SG Rotation aus Prenzlauer Berg mit digitalen Formaten für den Teamsport. Welche Erkenntnisse sie dabei hatten, erzählen sie hier.

© Daniel Lucas Faró

Als im März 2020 die erste Corona-Welle zu einem bundesweiten Lockdown führt, steht der Fußballverein SG Rotation vor ganz neuen Herausforderungen. Vor der Pandemie trainierten rund 500 Vereins-Mitglieder regelmäßig am Tesch-Sportplatz in Prenzlauer Berg. Die Vereinskultur lebte von Trainingslagern, Weihnachtsfeiern und dem Zusammenhalt auf dem Spielfeld - also vor Allem von Aktivitäten, die nicht im digitalen Raum stattfanden. Nun darf gar nicht mehr auf dem Platz trainiert werden, und erst recht nicht im Team.

“Die allergrößte Herausforderung war erst mal, alle bei der Stange zu halten. Und natürlich die Mitglieder vom Solidar-Gedanken zu überzeugen”, stellt der Abteilungsleiter Andreas Gräber fest. Denn, wie geht Teamsport ohne Team? Wie geht Vereinskultur ohne einen Ort, an dem man sich regelmäßig trifft?

„Aus Kommunikationssicht war die größte Herausforderung, dass alle dabei bleiben, sich motiviert fühlen und auch etwas machen. Ganz besonders die Kinder und Jugendlichen.“

Jugendwart Michael Trenk

Als Kommunikations-Verantwortlicher verharrt Michael Trenk aber nicht lange in einer Schockstarre, sondern beginnt rasch mit digitalen Lösungen zu experimentieren. Ein Bekannter mit eigenem YouTube-Kanal stellt sich als guter erster Ansprechpartner für ihn heraus. Die SG Rotation Prenzlauer Berg entwickelt erste YouTube-Formate mit dem Ziel, Trainingseinheiten zu den Mitgliedern nach Hause zu bringen.

Das Feedback der Vereinsmitglieder ist gut, und Michael Trenk und sein Team machen direkt weiter. Gemeinsam erstellen sie Challenges für Kinder und Jugendliche, also “Home-Trainings”, die auch in Wohnungen funktionieren sollen. Als Vorbild dienen digitale Formate aus dem Schulunterricht. Besonders die Eltern sind erfreut, denn ihre Kinder bleiben während dieser schwierigen Zeit sportlich aktiv und im Austausch mit anderen Vereinsmitgliedern. Derzeit probiert der Verein Live-Trainings aus, bei denen Mitglieder auf einer Videoplattform gemeinsam trainieren können. So soll besonders der Teamgeist gestärkt werden.

„Wir haben aus diesem Jahr gelernt, dass sich nicht alles nur um Sport dreht. Und dass wir Positionen schaffen müssen, die sich um digitale Themen wie Social Media und E-Learning kümmern können - das ist ganz wichtig.“

Andreas Gräber

Diesen Verantwortungsbereich auszubauen ist ein klares Ziel für den gesamten Vorstand geworden. Denn häufig wird bei der SG Rotation Digitalisierung von Einzelpersonen vorangetrieben.

Michael Trenk arbeitet unterdessen schon an der nächsten digitalen Lösung: eine SG Rotations-App, in der Mitglieder untereinander kommunizieren und über Neuigkeiten informiert werden können. Interessant ist, dass Michael Trenk ganz nach dem Motto “Learning by Doing” vorgeht: also mit digitalen Formaten experimentiert, Feedback einholt, und dann guckt, was eben funktioniert. Die App soll bald schon in einer ersten Version in die App-Stores kommen. Die größte Herausforderung für Michael Trenk bleibt dabei das Internet selbst: “Gerade im zweiten Lockdown funktioniert die WLAN-Verbindung nicht richtig, manchmal bricht das ganze Internet einfach weg.” Daran kann selbst der Verein nichts ändern.

 

Der Verlust des persönlichen Kontakts bleibt jedoch trotz digitaler Formate bestehen. "Ich sag mal, die Leute fehlen einem einfach", beteuert Andreas Gräber. Das Team der SG Rotation blickt dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft: Hoffentlich können zu Ostern wieder die ersten Spiele beginnen und die Teams gemeinsam trainieren. Denn obwohl digital viel bei der SG Rotation passiert, ist auch klar geworden, dass virtuelle Angebote den gemeinsamen Sport auf dem Tesch-Platz nun mal nicht ersetzen können.

Dieser Beitrag erschien im Original zunächst auf der Seite von Digital Vereint, einem Projekt der Technologie-Stiftung und des CityLab Berlin.

Beide sind ProjektpartnerInnen unseres Aktionsfeldes "Open Source".

© Daniel Lucas Faró