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Die Bedeutung von Freiwilligen für die Förderung von Pluralismus, Zusammenhalt und Demokratie

Freiwilliges Engagement wird unter jungen Menschen immer beliebter. Einige von ihnen engagieren sich freiwillig, um sich für etwas einzusetzen und Teil einer Bewegung zu werden. Manche wollen Freiwilligenerfahrung in ihrer Bewerbung für die Universität angeben, und andere machen vielleicht einen internationalen Freiwilligendienst und lernen die Kultur und die Menschen in fremden Ländern kennen. Es gibt viele Gründe, warum junge Menschen Teil der Zivilgesellschaft werden und mit Stolz erwähnen, dass sie Freiwillige sind. Da sie im digitalen Zeitalter leben, sind sie auch mit den Werkzeugen vertraut, die ihnen helfen können, neue Möglichkeiten fürs digitale Engagement zu finden.

© Unsplash: Anna Earl

Durch Freiwilligenarbeit erfahren Menschen schon in jungen Jahren, wie es ist, ein Teil der Gemeinschaft zu sein, während sie an wichtigen Projekten teilnehmen, die verschiedene Werte fördern. Indem sie die Veränderungen in der Zivilgesellschaft miterleben, wird sie weniger abstrakt - real und bedeutungsvoll, so Paula Bergmann, die in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) - Dachorganisation der Freiwilligenagenturen - arbeitet. "Die Jugendlichen sehen, dass ihre Fähigkeiten in irgendeiner Form gebraucht werden und spüren, dass das, was sie tun, von Bedeutung ist. Das ist besonders ermutigend für diejenigen, die die Schule beenden und versuchen, ihr Leben selbstbewusst zu gestalten." Frau Bergmann wies auch darauf hin, dass die Jugendlichen durch die Freiwilligenarbeit ein größeres Bewusstsein für die Probleme in der Welt oder in ihrer kleinen Gemeinde bekommen, indem sie die größeren Zusammenhänge sehen und die Geschichten anderer hören. Oft sehen sie, wie andere Menschen leben und welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen, werden empathischer und versuchen, ihr Bestes zu geben, um ein entscheidender Teil der Veränderung zu sein. Freiwilligenarbeit erzieht eine pluralistischere und demokratischere Jugend, die u.a. diese beiden Werte durch ihr Engagement fördern will.   

Im Interview mit Dr. Birthe Tahmaz von der Zivilgesellschaft in Zahlen (ZiviZ) über die Digitalisierung des Ehrenamts, betonte sie die Wichtigkeit des Engagements von Jugendlichen und stellte fest, dass ehrenamtliche Erfahrungen einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Weltbildes haben. Dr. Thamaz betonte auch die Wichtigkeit von internationaler Freiwilligenarbeit und Engagement: "Es gibt zwei Möglichkeiten des Zusammenlebens: Die eine ist, Dinge nur zu tolerieren, aber ohne dabei Interesse an der Perspektive der anderen zu haben, oder indem man eine gemeinsame Kultur und Gesellschaft aufbaut, die auf allen kulturellen Hintergründen basiert. Ich bin sicher, dass die zweite Möglichkeit die nachhaltigste ist. Dazu braucht es Mitgliederinnen, die bereit und in der Lage sind, die Perspektive der anderen einzunehmen". Die Kulturen anderer Menschen wahrzunehmen und aus erster Hand zu erfahren, ist die wesentliche Grundlage einer demokratischen Gesellschaft. Es bedeutet, die Perspektive der anderen nicht nur zu akzeptieren, sondern auch in das eigene Leben zu integrieren.   

„"Ich bin wirklich überzeugt von der Kraft des Ehrenamts, und besonders das Engagement junger Menschen macht mich zuversichtlich für unsere Zukunft."
Paula Bergmann“

Um die Zahl der Freiwilligen zu erhöhen und die Bürgergesellschaft weiterzuentwickeln, ist die Unterstützung durch die Politik entscheidend. Im Gespräch mit Paula Bergmann erwähnte sie, dass freundliche Worte und öffentliche Ankündigungen über die Vorteile des Ehrenamts zwar hilfreich sind, aber nicht ausreichen. "Für ein gutes Freiwilligenmanagement, zum Beispiel in Initiativen, ist der Zugang zu professionellen, nachhaltigen Infrastrukturen grundlegend - zum Beispiel von Freiwilligenagenturen.  Berlin hat hier bereits begonnen zu investieren, indem die Senatskanzlei 12 Freiwilligenagenturen in den Bezirken gefördert hat. Das ist ein guter Anfang." Doch in einer Millionenstadt könnte es noch mehr Engagement geben. Viele dieser Organisationen arbeiten auf Projektbasis, müssen also immer überlegen, wie sie ihre hauptamtlichen Mitarbeiter im nächsten Jahr unterstützen können. Natürlich beinhaltet die Freiwilligenarbeit an sich die Tatsache, dass sie unbezahlt ist, aber die Organisationen brauchen eine Finanzierung, um an Projekten zu arbeiten und ihre Ziele zu erreichen, während sie gleichzeitig Ressourcen für die Freiwilligenarbeit bereitstellen.  

Freiwilligenarbeit ist eines der größten Güter für die Gesellschaft, und das hat sich in der schweren Zeit der COVID-19-Krisen noch besser gezeigt. Die Länder, Städte oder Gemeinden brauchen immer die Hilfe von Freiwilligen, die bereit sind, sich in neue Projekte zu stürzen. Während die Menschen dringend benötigte Hilfe von der Zivilgesellschaft bekommen, werden sich die Freiwilligen der Bedeutung von Pluralismus, Demokratie und Zusammenhalt bewusster, während sie diese Werte auch in ihren Gemeinden fördern.