Einblicke

03.11.2021

Ursula liest Geschichten für Kinder aus aller Welt

Jeder kann einen kleinen Beitrag für alle leisten, das dachte sich auch Ursula. Ehrenamtlich liest sie Kindern Geschichten in Bibliotheken vor. Eine kleine Geste, die für viel Begeisterung bei den Kleinen sorgt und Chancengleichheit in der Bildung stärkt. Doch auch das Miteinander mit anderen Freiwilligen bereichert für Ursula das Ehrenamt.

© Landesfreiwilligenagentur Berlin

Es gibt eine Geschichte von einem Jungen, der am Strand steht und von einem Mann beobachtet wird. Dieser Strand liegt voller Seesterne. Der Junge fängt an, die Seesterne zurück ins Meer zu werfen. Und der ältere Mann wundert sich ein bisschen darüber, geht zum Jungen und fragt: “Was machst du da?” Dann antwortet der Junge: “Die Seesterne werden verenden, wenn sie am Strand bleiben.” Daraufhin erwidert der ältere Herr: “Aber siehst du nicht, hier liegen 1.000.000 Seesterne, die kannst du nicht alle zurückwerfen.” Und dann nimmt der Junge einen Seestern, wirft ihn zurück und sagt: “Aber diesen, dem kann ich helfen.” Und genau so ist, glaub ich, Ehrenamt.  

„Wir können natürlich nicht alle Menschen retten, wir können nicht allen Kindern Chancengleichheit in der Bildung gewähren, aber wir können einen Teil verbessern und ich glaube, das ist alle Ehren wert.“

Ursula

 

Ich wollte der Gesellschaft ein Stück weit etwas zurückgeben, das war mir wichtig. Und damals gab es viel Diskussion um Hartz 4, die Pisa Studie war neu, Bildung von Kindern, insbesondere von bildungsbenachteiligten Kindern - all das stand stark im Fokus. Und da stand für mich fest, ich will etwas mit Kindern und mit Bildung machen. Ich bin dann eines Tages auf das Projekt Lesewelt gestoßen. Ich habe darüber gelesen und mir gedacht: “Das ist es. Das machst du. Einmal in der Woche Kindern ehrenamtlich vorzulesen, Kinder im Alter zwischen 4 und 12 Jahren die bildungsbenachteiligt sind oder Migrationshintergrund haben - den würde ich gerne helfen.” 

Ich habe beim Verein angerufen und eine Woche später war ich schon in einem Vorleseorte in einer Bibliothek und habe den Kindern vorgelesen. Das war für mich eine völlig neue Welt. Das war wirklich toll. Die Kinder waren so freundlich und so begeistert. Was mich persönlich ganz besonders begeistert hat, waren die anderen ehrenamtlichen Vorleserinnen und Vorleser. Dieser freundliche Umgang miteinander, das war so stark im Kontrast zu meinem Arbeitsleben. Das fand ich unheimlich toll. Und dann habe ich mich entschieden und gesagt: “Ok, ich bleibe dabei.” 

Ehrenamtlich für Kinder vorlesen bedeutet, dass wir Kindern Bildungschancen eröffnen. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass dieser Verein Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, eine Bühne bietet. 

Europa ist für uns bei unserer Arbeit eigentlich ein bisschen klein, denn zu uns kommen Kinder, die Wurzeln auf der ganzen Welt haben. Sie kommen aus Asien, aus Afrika, aus Amerika, aus Europa, sie kommen auch aus Deutschland.  Wir bilden - ich sag’s jetzt einfach mal so - die ganze Welt ab. 

Ich glaube Zivilgesellschaft kann sich nur selber gestalten. Also Zivilgesellschaft muss Zivilgesellschaft gestalten. Und da sehe ich eher Tendenzen in letzter Zeit, dass nicht nur wir in der Zivilgesellschaft das gemeinsam gestalten, sondern dass auch immer stärker der Staat versucht, Einfluss auf die Gestaltung der Zivilgesellschaft zu nehmen. Das finde ich ein bisschen problematisch. Ich will Ihnen mal ein Beispiel nennen: Wenn Sie eine Freiwilligenagentur haben oder eine Organisation, die Freiwillige vermittelt, die kann anders agieren, wenn sie unabhängig ist, als wenn sie zum Beispiel angedockt ist an einen Bezirk. Und ich glaube, dass es so ist, dass staatliche Stellen genau wissen, wie wichtig Zivilgesellschaft ist, gerade im Hinblick auf die Demokratieentwicklung im Land. Gleichzeitig sind sie aber auch ein bisschen argwöhnisch, wenn die Zivilgesellschaft zu unabhängig ist und versuchen Einfluss zu nehmen. Und ich glaube, wir stärken unsere Gesellschaft, indem wir unsere Unabhängigkeit noch stärker betonen. 

Dieses Portrait stammt aus dem Wettbewerb “Gestalter:innen der Zivilgesellschaft” der Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V. des Landesnetzwerks Bürgerengagement Berlin. Mit dem Wettbewerb sollten all jene Gestalterinnen und Gestalter der Zivilgesellschaft in Berlin in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt werden, die noch nicht so bekannt sind und noch nicht ausgezeichnet wurden. Gerade sie sollen für ihren besonderen Einsatz gewürdigt werden. Ausgezeichnet wurden fünf Wegbereiter:innen und Umsetzer:innen von Mitmenschlichkeit und Gemeinwohlorientierung. Kriterien waren: Engagement leisten – Integratives Handeln vorantreiben – Inklusion und Diversity fördern – Transparent und verantwortungsvoll handeln – Wirksamkeit erzielen – Europäische Werte einbeziehen – Vorbild und Anstifter:in sein. Die Bekanntgabe der Gewinner:innen des Wettbewerbs erfolgte im Rahmen der 11. Berliner Engagementwoche im September. Wettbewerbs-Schirmherrin war Senatorin Elke Breitenbach.

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