Einblicke

15.10.2021

Sabrina unterstützt ehemalige Heimkinder bei der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit

In der Königsheide befand sich das größte Kinderheim der DDR, das Kinderheim A. S. Makarenko. Tausende Kinder wuchsen hier auf – ohne ihre Eltern. Sabrina begibt sich auf Spurensuche. Bei den Königsheider Eichhörnchen e.V. und im Informations- und Begegnungszentrum (IBZ) Königsheide am historischen Ort, arbeitet sie die Heimgeschichte auf und bringt Familien wieder zusammen.

© Ronald Schirrmacher

Eigentlich war mein Hobby die Ahnenforschung und über eine Bekannte, die hier im Kinderheim gelebt hatet und mich fragte, ob ich ihr helfen würde bei der Spurensuche nach ihrer Herkunftsfamilie. So fing es an – das war im Jahr 2005 und im Mai 2006, war ich selber das erste Mal in der Königsheide und seitdem eigentlich sehr sehr regelmäßig, mehrere Tage in der Woche und ich fühle mich inzwischen oft selbst so als wäre ich hier aufgewachsen.

Bei uns im IBZ Königsheide sind um die 25 Ehrenamtliche engagiert, diese haben wir über verschiedene Freiwilligendienste und Freiwilligenbörsen gewonnen. Und das sind wirklich tolle Leute und ohne diese wären wir bei weitem nicht so weit wie wir bisher sind. Ich und meine Kollegin, Frau Grimm, wir leiten das Informations- und Begegnungszentrum hier in der Königsheide und machen alles was mit der Aufarbeitung der Heimgeschichte zu tun hat. Aber nicht nur für dieses Kinderheim, sondern generell für Kinderheime der DDR. Das beginnt bei verschiedenen Forschungsprojekten, geht über ganz emotionale Geschichten, dass Leute ihre Geschwister, ihre Eltern suchen, Familienzusammenführungen, bis hin zu einem regelmäßigen Veranstaltungsprogramm, historischen Führungen, wir geben Publikationen heraus, machen Projektseminare an Hochschulen, haben Schülerprojekte – sind also inzwischen sehr breit gefächert aufgestellt.

Es ist natürlich schön, wenn man wieder die Familie zusammenbringen kann, wenn man Geschwister findet und auch merkt, da entsteht dann auch Beziehung zueinander, die über Jahre abgebrochen war durch den Heimaufenthalt. Es sind natürlich die schönsten Ereignisse, wenn wir schaffen, Dinge wieder zu kitten, die in der Vergangenheit irgendwann zerbrochen sind. Das heißt aber nicht, dass es immer erfolgreich sein muss.

„Man sollte nie aufgeben. Es gibt immer eine Lösung, auch wenn das manchmal eine Weile dauert.“

Sabrina

Aber eine Erfahrung habe ich auch gemacht in den vielen Jahren: auch wenn vielleicht mal ein oder zwei Jahre lang etwas in der bestimmten Richtung gar nicht voran geht, irgendwann kommt ein kleines Puzzleteil, was dann doch dazu führt, dass es wieder weitergeht. Ich habe auch Tage, an denen ich verzweifelt bin und denke: “Oh nein, warum machst du das überhaupt alles?” Und dann passiert aber wieder irgendwas, was mich motiviert, weiterzumachen. Man bekommt auch ganz viel von den Menschen zurück. Also nicht in Geld oder so, aber an menschlicher Dankbarkeit. Es sind auch Freundschaften entstanden, die ich nicht missen möchte.

Momentan sind die größten Herausforderungen, vor allem durch Corona, die leeren Kassen. Also Geld ist immer wieder ein Problem. Oft aber auch Geschichten, dass man mit diesen vielen Emotionen, die auch mit diesem Thema zusammenhängen, manchmal haushalten muss, also dass auch nicht immer alles geht. Wir haben oft sehr tränenreiche Gespräche, auch wo man hinterher selber zusehen muss: “Wie kommt man jetzt mit diesen vielen Informationen klar?” Da ist es ganz gut, dass wir so ein gutes Team haben und uns austauschen können.

Auf der ganzen Welt gibt es Kinder, die in Heimen leben oder lebten und die ein ähnliches Schicksal haben. Eine besonders enge Verbindung haben wir nach Ungarn. Schon seit 1958 gibt es eine Kooperation mit der Kinderstadt Fót, die wir auch seit 2013 wieder etwas belebt haben und wo wir regelmäßig hinfahren und die Einrichtungen mit Sachspenden unterstützen. Das Thema “Heimerziehung” ist ja ein Randthema der Gesellschaft und es ist interessant, wie andere Länder damit umgehen und einen Austausch zu finden, ist immer sehr interessant und auch sehr wichtig. 

Dieses Portrait stammt aus dem Wettbewerb “Gestalter:innen der Zivilgesellschaft” der Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V. des Landesnetzwerks Bürgerengagement Berlin. Mit dem Wettbewerb sollten all jene Gestalterinnen und Gestalter der Zivilgesellschaft in Berlin in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt werden, die noch nicht so bekannt sind und noch nicht ausgezeichnet wurden. Gerade sie sollen für ihren besonderen Einsatz gewürdigt werden. Ausgezeichnet wurden fünf Wegbereiter:innen und Umsetzer:innen von Mitmenschlichkeit und Gemeinwohlorientierung. Kriterien waren: Engagement leisten – Integratives Handeln vorantreiben – Inklusion und Diversity fördern – Transparent und verantwortungsvoll handeln – Wirksamkeit erzielen – Europäische Werte einbeziehen – Vorbild und Anstifter:in sein. Die Bekanntgabe der Gewinner:innen des Wettbewerbs erfolgte im Rahmen der 11. Berliner Engagementwoche im September. Wettbewerbs-Schirmherrin war Senatorin Elke Breitenbach.

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