Einblicke

10.05.2021

Kiyan: Stolz darauf, ein Teil der vielen Ehrenamtlichen zu sein

Kiyan hat vor kurzem begonnen, sich ehrenamtlich bei der Kompetenzwerkstatt der Malteser Werke & SINGA zu engagieren, als er von seinem Freund Felix von dieser Möglichkeit hörte. Gemeinsam organisieren sie den PC-Anfängerkurs und haben Spaß daran, Jugendlichen die Grundlagen zu vermitteln.

© Kiyan

Mein Name ist Kiyan, ich bin 29 Jahre alt und finde, dass ich hier eigentlich nicht hingehöre. Ich bin erst seit kurzem ehrenamtlich in der Kompetenzwerkstatt der Malteser Werke & SINGA tätig. Mein Freund Felix engagiert sich schon seit mehreren Jahren als Mentor für geflüchtete Jugendliche bei den Maltesern. Er erzählte mir von dem neuen Pilotprojekt und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm einen PC-Einsteiger-Kurs zu organisieren. Ich bin weder erfahrener Kursleiter noch ITler. Ich bringe nur mein eigenes halbwegs robustes Laienverständnis von Computern mit. Zu Beginn hat mich das abgeschreckt. Schnell stellte sich aber heraus, dass es sich hier um eine Generation von Menschen handelt, die zwar überaus versiert mit Smartphones sind, mit klassischen Rechnern und Textverarbeitungsprogrammen aber kaum Erfahrung haben. Als Arbeitsgeräte sind mir Computer natürlich durchaus vertraut; also sagte ich zu. 

Das Schöne an Pilotprojekten ist, dass man eine große leere Spielwiese betritt, in der man alles selbst aufbauen kann; größere oder gar einschüchternde Vorgaben gibt es nicht. Die Kommunikation mit der Projektleitung war von Anfang freundschaftlich und ermutigend, das hat den Einstieg noch leichter gemacht. Und gemeinsam mit einem Freund für junge Menschen einen niedrigschwelligen Kurs zusammen zu stellen, der die Grundfunktionen eines PCs vermittelt und Tipps für Bewerbungsschreiben und Lebensläufe gibt, macht das Ehrenamt nicht zu einer Verpflichtung – es macht einfach Spaß. 

„Ehrenamtliches Engagement erfüllt, es erdet, und es ist Ausdruck einer intakten Gemeinschaft - gerade in Zeiten wie diesen, die beispiellos sind. Es erfüllt mich mit großem Stolz, Teil einer Nation zu sein, in der das Ehrenamt eine lange Tradition hat und in der sich 40 Prozent der Gesellschaft ehrenamtlich engagieren.“

Kiyan

Neben meinem Studium hatte ich einige Jahre als administrative Unterstützung in einer Sprachschule für Deutschkurse gearbeitet. Im Zuge der Geschehnisse von 2015/2016 bot diese später auch BAMF-geförderte Sprach- und Integrationskurse für Geflüchtete an. Zusätzlich zu meiner eigentlichen Büroarbeit hieß ich jeden Monat Kurseinsteiger mit grundlegenden Informationen über Land und Stadt willkommen, bot Studieninteressierten in Informationsveranstaltungen einen Überblick über das deutsche Studiensystem und zeigte jungen Menschen aus allen Teilen der Welt Berlin und seine Geschichte in Stadtführungen. Das war natürlich kein Ehrenamt, sondern eine bezahlte Tätigkeit. Aber es sensibilisierte mich für das Denken und die Befindlichkeiten von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, sowohl mit als auch ohne Fluchterfahrung. Und hin und wieder intensivierte sich auch der Kontakt zu einzelnen Kursteilnehmern und ich versuchte – so gut es ging – als Safariführer durch den deutschen Bürokratiedschungel zu leiten. Jetzt, einige Jahre später, finde ich es schön, im Rahmen der ehrenwerten Arbeit der Malteser, anderen jungen Menschen wieder etwas Orientierung geben zu können. 

Wenn überhaupt sehe ich mich wirklich als kleinstes Schräubchen in der Freiwilligenhauptstadt Berlin. Aber für mich ist klar: das ist erst der Auftakt. Ehrenamt erfüllt, es erdet und es ist Ausdruck eines intakten Gemeinwesens – vor allem in beispiellosen Zeiten wie diesen. Es erfüllt mich mit großem Stolz Teil einer Nation zu sein, in der das Ehrenamt eine lange Tradition hat und in der sich auch heute 40% der Gesellschaft ehrenamtlich engagieren. Das Ehrenamt ist zweifellos eine unverzichtbare Stütze eines inklusiven und bunten Deutschlands. 

Malteser Kompetenzwerkstatt: Selbstbestimmt zur beruflichen Teilhabe

Die Kompetenzwerkstatt ist ein Kooperationsprojekt der Malteser Werke und SINGA, und wird für eine Laufzeit von drei Jahren von der Aktion Mensch gefördert. Das Projekt soll neuzugewanderte Menschen im Alter von 18-27 Jahren bei der Persönlichkeitsentwicklung und Kompetenzstärkung unterstützen. Selbstbestimmt Visionen zu entwickeln und langfristige berufliche Teilhabe stehen dabei im Fokus. Im Rahmen eines zweimonatigen modularen Trainingsangebots und eines auf Dauer angesetzten Mentoringprogramms werden die jungen Menschen dabei begleitet.

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