Einblicke

11.06.2021

Karin bringt den Menschen Freude

Karin ist seit zwei Jahren Teil der Bahnhofsmission am Ostbannhof und zaubert ihren Mitmenschen immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Die Bahnhofsmission versucht, die Menschen aufzunehmen und ihnen neben warmem Essen und kleinen Geschenken auch das Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft zu vermitteln.

© Astrid Gude

Mit der Bahnhofsmission verbinde ich ein Plätzchen zum Ankommen in ganz unterschiedlichen Notlagen. Ein warmer Ort für Beratung und Gespräch, ein freundliches Lächeln in schwieriger Zeit für Menschen, die sonst häufig Ablehnung erfahren.  

Seit 2019 engagiere ich mich nun in der Bahnhofsmission am Ostbahnhof. Als gebürtige Augsburgerin lebe ich seit 1991 in Berlin und habe seitdem die gewaltigen Veränderungen in der Stadt infolge der Wiedervereinigung miterlebt - im großen Kommen und Gehen gab es immer häufiger auch ein „Nicht-mehr-Mitkommen“; soziale Verwerfungen nahmen zu. 

„Es ist schön, Freude zu bereiten. Mit einfachen Dingen wie Essen oder Tee, die in einer Welt des Überflusses sonst kaum mehr so geschätzt werden.“

Karin

Besonders lebhaft in Erinnerung geblieben sind mir aber die Sonder-Aktionen. Für viele Menschen ist die Bahnhofsmission die einzige Anlaufstelle, an der sie an Weihnachten einen geschmückten Weihnachtsbaum sehen, ein kleines Geschenk oder an Ostern ein paar Süßigkeiten bekommen. Das bedeutet den Gästen sehr viel: Erinnerung an Kindheit und Jugend, aber auch das Gefühl „dazuzugehören“ und Ausbruch aus dem eintönigen Alltag.  

Die Arbeit der Bahnhofsmission am Ostbahnhof bleibt auch zukünftig wichtig, denn sie bietet ein niedrigschwelliges Angebot. Die Gesellschaft muss deutlich machen, dass jeder Mensch – unabhängig von seiner Erwerbsbiografie – wertvoll ist und Anspruch auf Erfüllung seiner minimalen Grundbedürfnisse hat. Es geht darum, Menschen zu helfen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Wir müssen uns daran erinnern, dass nicht alle das gleiche Glück gehabt haben wie wir selbst.  

Für Wohnungslose ist die Bahnhofsmission nach wie vor die erste Anlaufstelle für Beratung, Essensausgabe und Hygiene. An den Helfer*innen bewundere ich ihre Geduld. Auch in schwierigen Lagen behalten sie die Nerven. An sieben Tagen die Woche von 8 – 17 Uhr die Bahnhofsmission rund ums Jahr geöffnet zu halten, ist eine große Herausforderung. Nur unter Einsatz aller Kräfte ist dies möglich. 

Bahnhofsmission

Die Bahnhofsmission ist eine deutsche Hilfsorganisation, die an mehr als hundert Bahnhöfen vertreten ist. Sie hilft jedem, der Hilfe braucht: schnell, ohne Anmeldung und Voraussetzung, kostenlos - oft zu Zeiten, in denen keine andere Hilfe verfügbar ist. Sie wird von IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit für das Erzbistum Berlin e.V. betrieben und wurde 1894 gegründet. Sie ist die älteste Bahnhofsmission in Deutschland und die einzige, die in der DDR tätig war. Im Laufe der Geschichte haben sich die Aufgaben den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst. So hat heute die Zahl der Besucher, die psychisch gestört, suchtkrank oder obdachlos sind, stark zugenommen. 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche sind die haupt- und ehrenamtlichen Helfer für sie da. Jahr für Jahr kommen 54.000 Besucher in das Zentrum. Das Zentrum gibt 102.000 Mahlzeiten aus und hält 6.500 Beratungsgespräche ab. Ohne das Engagement der Ehrenamtlichen könnte dieser Service nicht aufrechterhalten werden.

jetzt informieren