Einblicke

10.02.2021

Jedes Kind hat das Recht auf Bildung - dafür setzt sich Petra ein

Mit “Back on Track” ermöglicht Petra Kindern aus Syrien Zugang zu Bildung in Deutschland. Sie navigiert auch Eltern durchs deutsche Schulsystem. Am liebsten in Präsenz. In Coronazeiten auch digital.

© GoVolunteer (Fotocredit: Sebastian Stöhr)

Was in Syrien passierte, hat mich sehr frustriert. Kinder sind diejenigen, die am wenigsten dafürkönnen, aber stärksten darunter leiden – sogar ihr Leben lang, wenn sie ihren Bildungsstand verlieren. Wir wollten von Anfang an den Kindern Hilfestellung geben, damit sie ihre kriegsbedingte Bildungslücke – weil sie ja zum Teil gar nicht zur Schule gehen konnten – aufarbeiten können und im Bildungssystem gut ankommen. 2016 habe ich “Back On Track” gegründet, weil ich sah, dass viele Kinder aus Syrien den Zugang zu Bildung verloren haben. Wir haben dann schnell erkannt, dass wir für unsere Arbeit muttersprachliche Lehrer:innen brauchen. Wenn man abwartet, bis die Kinder Deutsch können, ist ihre Frustration oft schon so groß, dass sie keine Motivation mehr haben. Deswegen bilden wir auch arabischsprachige Pädagog:innen weiter.

„Meine Motivation ist Wut. Bis 2012 habe ich selbst für viele Jahre in Syrien gelebt. Als ich in Berlin angekommen bin, hatten auch meine Kinder Schwierigkeiten, im deutschen Schulsystem anzukommen.“

Petra

Meine Motivation ist Wut. Bis 2012 habe ich selbst für viele Jahre in Syrien gelebt. Als ich in Berlin angekommen bin, hatten auch meine Kinder Schwierigkeiten, im deutschen Schulsystem anzukommen. Die syrische Schulbildung meiner Kinder wurde hier kaum anerkannt. Das war super frustrierend. Ich dachte mir: Wenn mir das schon so geht, als deutsche Mutter, die Deutsch sprechen kann, das deutsche Verwaltungs-Schulsystem kennt, sich da durchboxen kann. Wie geht es dann den syrischen Familien, die das alles nicht haben?

Bild einer Frau, die am Tisch sitzt. Vor ihr liegt ein Ordner und sie tippt etwas in einen Rechner© GoVolunteer (Fotocredit: Sebastian Stöhr)

Wir sind letztes Jahr im März wie so viele ins kalte Wasser geworfen worden und mussten auf einmal unseren Unterricht komplett von Präsenzunterricht – oder Präsenz-Lerntreffen – auf digitale Lerntreffen umstellen und das war natürlich eine Herausforderung. Deswegen waren wir zuerst etwas angespannt. Aber wir sind sehr viele motivierte Leute und wir haben von Anfang an begriffen, wie wichtig es jetzt ist, dass wir weiter funktionieren. Wenn die Kinder jetzt noch mal den Zugang zur Bildung über einen längeren Zeitraum verlieren, dann sind sie ja wieder weiter zurückgeworfen. Von den 150 Kindern, mit denen wir Anfang des letzten Jahres gearbeitet haben, sind weiterhin 120 dabei. Die Familien haben sich auch selber fitter gemacht im digitalen Bereich, aber unterm Strich ist die Pandemie für die Kinder schlecht, weil sie zu Hause oft niemanden haben, mit dem sie den Lernstoff nochmal durchnehmen können – und dabei sind sie ja sowieso schon traumatisiert und sie haben Konzentrationsprobleme und sehr viel Lernstoff aufzuholen.

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Wo kommen die Bilder her?

Die Bilder, Text und Video von Petra stammen aus der Reihe “Volunteers of Berlin – Die Hauptstadtheld:Innen”, mit freundlicher Genehmigung von GoVolunteer. Mehr Infos dazu:

Back on Track e.V.

„Back on Track“ macht Kindern und Jugendlichen, die durch Krieg und Flucht zum Teil über Jahre nicht zur Schule gehen konnten, ein maßgeschneidertes Angebot. Mithilfe der Methode des selbstorganisierten Lernens können sie zum Bildungsstand ihrer Altersgruppe aufschließen. Damit wird die Grundlage für eine erfolgreiche Bildungsbiographie gelegt.

backontrackev.org