Einblicke

08.12.2021

Gülhanım bietet ehrenamtlich Kultur- und Religionssensible Beratung für Frauen an

Gülhanım lebt seit mehr als 44 Jahren in Berlin. Sie will in Berlin und in der Gesellschaft, bei den Problemen, die sie sieht, anpacken und Frauen unterstützten. Deshalb hat sie 2019 den Verein Begegnungs- und Bildungszentrum für Frauen und Familien (BBF) e.V. gegründet und engagiert sich seitdem Vollzeit ehrenamtlich. Der Verein bietet Kultur- und Religionssensible Beratung zu verschiedensten Themen an, darunter auch Hilfe gegen häusliche Gewalt.

© Ceyda Cerkes

Mein Name ist Gülhanım. Ich habe soziale Arbeit studiert. Hauptberuflich arbeite ich als Paar- und Sexualtherapeutin. Aktuell engagiere ich mich Vollzeit ehrenamtlich beim BBF e.V. Der Grund, warum wir den Verein gegründet haben, war, dass wir gemerkt haben, dass Frauen gesellschaftlich nicht gleichgestellt sind.  Deswegen haben wir gesagt: Wir wollen selbstbestimmt autonome Frauen sein und unseren eigenen Verein gründen. Wir wollen uns gesellschaftlich, politisch, sozial aber auch rechtlich einmischen und hiermit etwas bewirken. Wir wollen nicht, dass man über uns redet, sondern, dass man mit uns redet und wir mitentscheiden. In Berlin und in Deutschland. Wir sind ein reiner Frauenverein. Wichtig ist uns, dass wir diverse Frauen sind - egal welcher Kultur, welche Religion und welche Herkunft. Das sieht man auch bei unserem Logo: die offene Tür.  

Wir thematisieren beispielsweise auch häusliche Gewalt, aber auch rassistische und religiöse motivierte Diskriminierungen. Wir wollen Frauen stärken, aufklären und Beratung geben.  Der Schwerpunkt liegt zwar auf Frauen, aber wir denken auch die Familie mit, denn wenn wir nur die Frauen stärken und die Männer nicht mitnehmen, gibt es eher Konflikte zu Hause, als dass man da zusammen irgendeine Lösung findet. Den Frauen bieten wir einen “Save Space” an, einen geschützten Raum. Ich möchte diese Frauen einfach unterstützen, sie stärken. Das Feedback dieser Frauen ist überwältigend. Sie wissen, dass sie sich uns anvertrauen können, dass wir sie verstehen. 

Wir sind auch Brückenbauer zwischen Behörden wie beispielsweise dem Jugendamt und den Frauen. Unser Verein erfüllt zudem eine Netzwerkfunktion. Wir sind seit vielen Jahren gut mit der Polizei vernetzt. Deshalb war ich kürzlich auch als Repräsentantin für unseren Verein, zusammen mit der Polizei, zu einem Austausch in den USA (Philadelphia). Was uns ausmacht und vielleicht von anderen unterscheidet: Wir reagieren kultursensibel. Viele Frauen haben durch die Religion oder Herkunft oder Bildung oder sexuelle Orientierung verschiedene Schwierigkeiten. Wir können dementsprechende Beratung anbieten.   

Momentan sind es aktiv 23 Leute, die mich unterstützen. Aber alles wird ehrenamtlich gemacht: Buchhaltung, Organisation, Handarbeit-Häkel-Projekte, Internationaler Frauentag und Empowerment-Workshops. Wir organisieren auch Feste. Durch die Feste versuchen wir Frauen zu erreichen, indem wir beispielsweise Tabu-Themen ansprechen, einen 10 Minuten-Input geben und so einen Raum für Begegnungen und Austausch schaffen.  

Vor Corona haben wir wöchentlich ein Frauen-Begegnungscafé gemacht. Durch Corona sind wir einen Schritt zurückgeworfen worden. Viele Frauen sind weggeblieben, denn über Telefon oder Zoom ist es für viele schwierig. Wir haben viele Frauen verloren und sind jetzt gerade wieder dabei uns aufzurappeln.  Glücklicherweise haben wir einen anderen Verein gefunden, dessen Räumlichkeiten wir kostenlos mitnutzen dürfen. 

BBF e.V.  „BBF - Begegnungs- und Bildungszentrum für Frauen & Familien“   

BBF e.V. sind Frauen*, die um die Bedeutung und Stärke ihrer Verbindung wissen und füreinander da sind. Sie möchten die muslimische Wohlfahrt vorantragen, besonders Frauen*, aber auch Familien unterstützen, empowern und gemeinsam wachsen. Daher haben sie den Verein „BBF - Begegnungs- und Bildungszentrum für Frauen* & Familien“ gegründet.

Frauen* sind oftmals nicht genug an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen beteiligt. Aus diesem Grund will der Verein sich einmischen und einbringen, um die gesellschaftliche, politische, soziale und rechtliche Partizipation zu verbessern.

Die Soziale Arbeit, zur Mitgestaltung der muslimischen Wohlfahrstpflege, ist eines unserer Kernaufgaben. Dafür möchten sie mit allen relevanten Kooperationspartner*innen wie Behörden, Verbände, Universitäten/Akademien etc. zusammenarbeiten.

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