Einblicke

28.06.2021

Felix vernetzt die verschiedenen Klimainteressen in Berlin

Felix engagiert sich seit 2 Jahren bei Klimaneustart Berlin. Neben Volksinitiativen und Unterschriftensammlungen setzt er sich auch für einen BürgerInnen-Rat in Berlin ein, der die verschiedenen Klimaziele der Berlinerinnen und Berliner auf einen gemeinsamen Nenner bringt.

© Privat

Ich bin Felix, 28 Jahre alt und interessiere mich für alles rund um’s Klima und die Klimapolitik. Vor 10 Jahren habe ich ein Freiwilliges Jahr über weltwärts gemacht, dadurch habe ich die globalen Ungerechtigkeiten stärker wahrgenommen. Ich stellte mir die Frage: Wo liegt meine Verantwortung? Direkt vor der Haustür!  

Ich engagiere mich heute bei Klimaneustart Berlin. Da bin ich 2019 eingestiegen - damals wurde der Klimanotstand in einigen Städten ausgerufen und ich war relativ frisch in Berlin. Das Thema beschäftigte mich und ich fragte mich: Was geht jetzt in Berlin? Ich erkundigte mich, landete auf der Webseite von Klimanotstand Berlin und habe dann beim offenen Treffen, das jeden Montag stattfindet, vorbeigeschaut. Da bin ich dann hängen geblieben - seit 2 Jahren. Heute bin ich Vertrauensperson für die Volksinitiative des Klima Bürgerinnenrats. d.h. im Grunde vertrete ich unser Anliegen vor dem Abgeordnetenhaus.  

Im ersten Jahr führten wir die Volksinitiative für den Klimanotstand durch. Wir sammelten Unterschriften für die Anerkennung der Klimakrise und ein Handeln dagegen. Daraufhin organisierten wir den Klimanotstandskongress, bei dem wir viele Städte eingeladen hatten, nach Berlin zu kommen, um uns darüber auszutauschen, was der Klimanotstand bedeutet. Das alles haben wir ehrenamtlich organisiert. Das Netzwerk aus verschiedenen Kontakten war dafür entscheidend.  

2020 haben wir uns dann neu formiert, neu strukturiert und wurden zur Initiative Klimaneustart Berlin. Der Klimanotstand ist jetzt nicht vorbei, aber wir wollen eigentlich Klimaneustart haben. Für uns als Klimaneustart ist es wichtig, dass wir die verschiedenen Bereiche der Stadt zusammen bekommen. Was sind die Themen, die Berlin beschäftigen? Was wollen wir eigentlich machen? Das Ergebnis: Lasst uns eine Stufe höher denken - können wir nicht alle Berlinerinnen und Berliner noch mehr in die Berliner Klimapolitik einbeziehen? 

„Mich ehrenamtlich zu engagieren gibt mir mehr, als dass es mir nimmt. Es macht Spaß und vor allem für Leute, die neu in der Stadt sind, ist es eine super Möglichkeit, sich zu vernetzen.“

Felix

Wir haben 40.000 Unterschriften in 2019 gesammelt und mittlerweile sind wir mit mindestens 60.000 Menschen im Gespräch gewesen. Dabei stellten wir fest, dass es viele Zielkonflikte in der Stadt gibt – jeder hat andere Vorstellungen, wie der Klimaneustart in Berlin aussehen soll. In einigen Bezirken ist es daher viel schwieriger, Unterschriften zu sammeln für eine Volksinitiative, in anderen weniger. Wir haben unzählige Gespräche geführt mit vielen verschiedenen Menschen und sind dann zu der Konklusion gekommen: Wie wäre denn ein BürgerInnen-Rat? Ein Rat, der sich genau diese Zielkonflikte vornimmt und einmal überlegt, was mehrheitsfähige Vorschläge sind und wie wir die Ziele einhalten können, ohne weiter zu polarisieren. In diesem Rat sitzen die verschiedensten Menschen: Klimaaktivisten neben jenen, die vorher nicht so viel mit Klima zu tun hatten und aus den verschiedensten Bezirken - ob Mitte, Spandau oder Grünau. Für alle bedeutet z.B. ein autofreier Raum etwas ganz anderes. Und alle verfolgen das Ziel, das Klima zu schützen. Dann entschieden wir, dass wir das jetzt machen: Wir fordern einen BürgerInnen-Rat zum Thema Klima, offiziell ausgerufen vom Abgeordnetenhaus. Und dieser soll bald Realität werden. 

2020 wurden wir ausgebremst. Die größte Herausforderung für uns in der Pandemiezeit: Wir waren auf der Straße, wir haben verschiedene Demonstrationen besucht, wir haben Veranstaltungen besucht und haben überall Unterschriften gesammelt – und 2020 war das einfach vorbei. Eine weitere Herausforderung war die fehlende Zwischenmenschlichkeit, da wir uns nur noch über Zoom sehen konnten. Diese ganzen kleinen Gespräche und diese Freude gemeinsam was zu verändern - das fehlte.  Es ist viel schöner, gemeinsam an einem Lagerfeuer zu sitzen oder in einem Gemeinschaftsgarten, dann doch ein Stündchen länger zu bleiben und gemeinsam ein Bierchen zu trinken - anstatt in Zoom auf “Meeting verlassen” zu klicken.  

Daraus haben wir gelernt, dass digital immer möglich, manchmal praktisch, aber oft auch anstrengend ist. Der Spaßfaktor für das ehrenamtliche Engagement ist sehr wichtig. Und wenn der wegfällt, dann ist es trotzdem irgendwie möglich, weil es immer Leute gibt, die Lust haben, sich zu engagieren - und dann kommt man durch die Krise. Eine Krise heißt nicht, dass wir weniger machen. Ein Learning ist, dass auf sich selbst aufzupassen noch wichtiger ist als sonst. Denn es gab plötzlich die Möglichkeit, sich noch mehr zu engagieren - jede Woche fünf Meetings, an jedem Abend, die AG trifft sich, dann noch andere Meetings - am Ende ist man völlig ausgelaugt. Es ist wichtig, auf sich selbst zu achten und auch auf die Mitstreiterinnen und Mitstreiter.  

Mich ehrenamtlich zu engagieren gibt mir mehr, als dass es mir nimmt. Es macht Spaß und vor allem für Leute, die neu in der Stadt sind, ist es eine super Möglichkeit, sich zu vernetzen. Ich habe viele Freunde gewonnen und Menschen, die mir lieb sind. Ich habe die Stadt nochmal ganz anders kennenglernt, durch den Austausch mit den verschiedenen Menschen und ihren Perspektiven. Und auch in die Politik rein - das hätte ich sonst nicht machen können. Es ist auch eine Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, für die man Wertschätzung zurückbekommt. Mein Engagement bedeutet mir extrem viel, weil es für mich ein guter Mechanismus ist mit der Ohnmacht umzugehen, in der auch ganz viele aus meiner Generation stecken, was die Klimakrise angeht, und das ist für mich ein Weg damit umzugehen, sich proaktiv dafür einsetzen, dass nicht das Schlimmste auf uns zukommt, sondern dass wir das mit aller Kraft von uns abwenden. 

Klimaneustart

Klimaneustart ist eine Bürgerinitiative in Berlin. Klimaneustart verstehen sich als zivilgesellschaftliche Bewegung, die als Bindeglied und Plattform fungiert, und den Austausch zwischen Bürgerinnen und Burgern, Wissenschaft und Politik auf Augenhöhe ermöglicht. Sie fordern von der Politik echtes Klimahandeln und die Nettonull bis 2030. Weltweit muss das Ziel erreicht werden, 1,5 Grad Erderwärmung nicht zu überschreiten. Sie setzen die Politik unter Druck und wollen eine Signalwirkung für andere Großstädte erzielen. Sie informieren, sensibilisieren und wollen jedem und jeder einzelnen Mut machen, sich für das Überleben auf unserem Planeten einzusetzen.

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