Einblicke

30.11.2021

Auch im Ruhestand lernt und lehrt Ulrich weiter

Ulrich war lange Zeit Lehrer. Jetzt im Ruhestand gibt er Kindern Nachhilfe im Zukunftshaus Wedding. Dabei begleitet er die Kinder schon so lange, dass sie mittlerweile Jugendliche sind. Sein Engagement hilft nicht nur den Kindern in der Schule, sondern er fordert sich selbst immer wieder neu heraus und lernt immer wieder dazu. Er schätzt die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft als auch Wertschätzung im Zukunftshaus und appelliert an alle, sich zu engagieren.

© Zukunftshaus Wedding

Ich heiße Ulrich. Den größten Teil meines Lebens habe ich in Berlin zugebracht. Ich bin verheiratet und wir haben zwei erwachsene Söhne und mittlerweile auch zwei Enkelkinder. In meinem Berufsleben habe ich die meiste Zeit als Lehrer gearbeitet, und zwar an Berufsschulen in Berlin und in Potsdam. Seit acht Jahren bin ich im Ruhestand. 

Zweimal pro Woche helfe ich für jeweils eine gute Stunde drei Kindern aus der Nachbarschaft des Zukunftshauses Wedding bei der Anfertigung ihrer Hausaufgaben, übe und wiederhole gelegentlich auch. Ich mache das schon seit Herbst 2015. Aus den Kindern von damals sind inzwischen Jugendliche geworden, aus den Grundschulkindern Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen. 

Im Jahre 2015 habe ich mich an Charisma gewandt,  die Freiwilligenagentur von Kirche und Diakonie. Dort habe ich mit einer der Mitarbeiterinnen ein längeres Gespräch geführt. Sie hat mir daraufhin vorgeschlagen, mich mit dem Familienzentrum im Paul-Gerhardt-Stift in Verbindung zu setzen, denn dort gebe es eine große Nachfrage nach freiwilligem Engagement, vor allem im Bereich der Hausaufgabenhilfe. Zwar hatte ich während meiner beruflichen Tätigkeit überwiegend  mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun, dennoch war ich nach einem Vorgespräch sehr schnell bereit, einer Dreiergruppe von Grundschülern bei ihren Hausaufgaben zu helfen. Dabei konnte ich auf eine gewisse Erfahrung zurückgreifen, da ich mich als Student bereits als Nachhilfelehrer betätigt hatte, damals auch, um mein Budget ein wenig aufzubessern, aber es hat mir auch Spaß gemacht.  

„Ich möchte jedem, der darüber nachdenkt, sich ehrenamtlich zu engagieren, raten: Machen Sie es! Sie geben viel, bekommen aber mindestens genau so viel zurück.“

Ulrich

Nun komme ich schon seit mehr als fünf Jahren zweimal pro Woche ins Familienzentrum des Zukunftshauses Wedding,  sicher ein Indiz dafür, dass ich gerne komme.  Die Arbeit mit den Kindern, aus denen inzwischen, wie gesagt, Jugendliche geworden sind, sagt mir aus verschiedenen Gründen sehr zu: Sie fordert mich fachlich mittlerweile durchaus ein wenig heraus, liegt doch meine eigene Schulzeit etliche Jahrzehnte zurück, vieles ist nicht mehr präsent und muss von mir wiederholt, teilweise auch neu angeeignet werden. Aber ich schätze diese Herausforderung. Wie bei jeder pädagogischen Tätigkeit liegen Anstrengungen und Mühen auf der einen und Freude an der Tätigkeit auf der anderen Seite nahe beieinander. Da wir in unserer Gruppe schon etliche Jahre zusammenarbeiten, kennen wir uns gut und es herrscht eine angenehme und entspannte Atmosphäre. Ich empfinde es so, aber ich denke, die Jugendlichen ebenfalls. Das zeigen mir ihre Bereitwilligkeit und ihre Freundlichkeit und auch die Tatsache, dass sie regelmäßig und pünktlich erscheinen. Ich kann ihnen bei ihren Hausaufgaben ein wenig helfen und das wissen sie und ihre Eltern durchaus zu schätzen. Ein guter Kontakt zu den Eltern ist für meine Arbeit nicht ganz unwichtig, so lassen sich gelegentlich auftretende Probleme besprechen.  

Wichtig für meine Arbeit ist auch das Umfeld, in dem ich tätig bin. Damit meine ich die gute Atmosphäre im Zukunftshaus, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, mit der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Ehrenamtlichen begegnen. Sie geben uns ehrenamtlich Tätigen die Gewissheit, dass unsere Engagement auch von ihnen anerkannt und geschätzt wird.  

Es ist ja eine allgemein anerkannte Tatsache, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt mündige, gut informierte und engagierte Bürgerinnen und Bürger zur Voraussetzung hat. Sie müssen bereit sein, für sich und die Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen und von ihrer Freiheit verantwortungsvoll Gebrauch zu machen. Bildung und Erziehung spielen hier eine herausragende Rolle. Bei dem Bemühen, Kindern und Jugendlichen zu guten schulischen Abschlüssen zu verhelfen, kann ich hier vielleicht einen kleinen Beitrag leisten. Vielleicht hat meine freiwillige Tätigkeit für die Jugendlichen auch eine gewisse Vorbildfunktion für gesellschaftliches Engagement. 

Zukunftshaus Wedding

Seit 2012 ist das Stadtteil- und Familienzentrum Zukunftshaus Wedding ein Knotenpunkt für Bildung, Beratung und Begegnung zwischen den Kulturen und Generationen. Mit verschiedenen Formaten wie Kursen, offenen Angeboten, Einzelveranstaltungen und Festen heißen sie Menschen unterschiedlicher Herkunft, religiöser Prägung, Sprache und sexueller Orientierung willkommen und bringen sie zusammen. Seit 2015 sorgt die Stadtteilkoordination für einen Austausch zwischen Stadtteil und Bezirksamt und fördert bürgerschaftliches Engagement im Kiez. Seit dem 1. März 2017 ist das Stadtteil- und Familienzentrum der Paul Gerhardt Stift Soziales gGmbH in die Förderung des Bundesprogramms der Mehrgenerationenhäuser aufgenommen worden.

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